Reisen

Auszeit in Budapest

29. September 2017

Draußen stürmt und gießt es, Weltuntergangsstimmung pur. Ich sitze im Wohnzimmer, nur ein paar Kerzen an und eine heiße Tasse Pfefferminztee auf dem Tisch. Dabei schweifen die Gedanken nach Budepest. Kaum zu glauben, dass wir vor ein paar Tagen noch bei 28 Grad abends draußen saßen!

Ildiko ist, wie man dem schönen Namen schon entnehmen kann, gebürtige Ungarin und kommt aus Budapest. Wer könnte mir besser die lebhafte Stadt an der Donau zeigen?
Budapest wird von der Donau geteilt, in Buda und in Pest. Das bergige und grüne Buda ist voller großartiger Sehenswürdigkeiten und der ruhigere Teil. Auf der anderen Seite der Donau liegt Pest, hier pulsiert das Leben! Und genau hier haben wir gewohnt.


Noch gleich am ersten Abend ging es ins jüdische Viertel, Party ahoi. Im jüdischen Viertel befindet sich nicht nur eine wunderschöne Synagoge sondern auch die tollsten Clubs und Bars. Am meisten hat mich das „Szimpla“ beeindruckt, eine der ältesten Ruinen voller Bars. Jeder Raum ist voller verrückter Deko, und altem Interieur. In einem der Räume kannst du in einer Badewanne sitzen, überall hängen schräge Bilder an den Wänden und vom Bier bis hin zum Cocktail gibt es alles zu trinken.

Dort befindet sich ebenfalls der Open Air Food Market „Karavan“. Kleine umgebaute Wohnwagen stehen dort in Reih und Glied und bieten jede Menge Essen an, Burger, typisches ungarisches Essen, Sushi, Hummus und Falafel… Fündig wird dort jeder! In der Mitte stehen Stühle, Tische und Bänke, und irgendwo ist immer ein Plätzchen frei.

Egal, ob du in einem kleinen Café in einer Seitenstraße ein Croissant frühstückst oder in einem großen Restaurant an einem der Hotspots zu Abend isst, alle Läden waren mit Liebe zum Detail eingerichtet, das Servicepersonal nett und freundlich, die Leute aufgeschlossen.

             

Wir hatten bereits online vorab ein 48 Stunden Ticket für einen der Hop on Hop off Busse gebucht. Es gibt zwei Linien, die im 20 Minuten Takt fahren und alle Sehenswürdigkeiten abfahren. Du kannst an jeder Haltestelle aussteigen und später woanders wieder zusteigen. Das tollste war die in dem Ticket enthaltene Fahrt auf der Donau. Es empfiehlt sich 20 Minuten vor der Abfahrt an der Anlegestelle zu sein, die besten Plätze oben auf dem Schiff sind als erstes weg. Wir haben uns für die erste Tour um 19 Uhr entschieden, und das war goldrichtig! Die erste halbe Stunde fuhren wir im hellen, und kaum, als das Schiff an einer der Brücken wendete, gingen in der ganzen Stadt und an den Brücken die Lichter an. Ein Traum! Das imposante Parlament, die St. Stephans-Basilika und die Hotels auf der einen Seite, sowie die Citadelle, die große Parkanlage und die Statuen in den Bergen, alles hell erleuchtet, einfach wunderschön!

    

Überhaupt ist Buda wirklich sehenswert. Wir sind mit dem Bus auf die andere Seite gefahren, haben die Citadelle besichtigt und den grandiosen Ausblick über Budapest genossen. Wir hatten komplett freie Sicht, und haben dort einfach einen Augenblick verweilt und die Aussicht genossen.

             

Wenn man an ungarisches Essen denkt, denkt man automatisch an Gulasch. Ja, klar gibt es dort auch Gulasch, aber es gibt noch so viel mehr als das. Vor allem die vielen kleinen und großen Konditoreien mit den diversen Leckereien, einfach unfassbar. Ich habe das erste Mal Langos probiert, ein frittierter Hefeteig, der mit Sauerrahm und geraspeltem Käse serviert wird. Eine kleine Schweinerei beim Essen, aber einfach lecker. Riesenkartoffelpuffer mit verschiedensten Belägen, Würste, Fleisch… Gerade in den Markthallen wird die Vielfalt ersichtlich. Trotzdem muss ich sagen, dass die Ungarn sich sehr fleischlastig ernähren, schon morgens kommen deftige Würstchen und Fleisch auf den Frühstücksteller. Aber: es wird wirklich alles verwertet! In den Markthallen liegen gleich neben dem Fleisch die Gänseköpfe, Gänsefüße, Innereien und Schweineköpfe. Super, dass das komplette Tier verwertet wird, aber für mich war das schon ein wenig gewöhnungsbedürftig.

    

Um Budapest ganz erfassen zu können sind 3 Tage einfach nicht ausreichend. Man muss länger bleiben oder eben noch einmal wieder kommen. Ich würde jedem raten, beim ersten Besuch, so wie wir, ein Ticket über eine Hop-On-off Buslinie zu buchen, um die wichtigsten Sehenswürdigkeiten zu erreichen und dann weiter entscheiden zu können, wo man noch einmal genau schauen möchte.

Danach kauft man sich am besten ein Tages- bzw. Mehrtagesticket der öffentlichen Verkehrsmittel und gondelt dann mit der Metro, Straßenbahn oder dem Bus durch die Stadt. Das ist in Budapest super easy, und die Wartezeiten sind extrem kurz im Vergleich zu so manch anderen Großstädten die ich kenne. Das Netz ist extrem gut ausgebaut und auch für Orientierungslegastheniker wie mich gut zu handeln. Und wem das noch nicht reicht, der mietet sich einfach ein Fahrrad, auch hier wurde in den letzten Jahren kräftig aufgerüstet. Für mich ist das nichts, da mir der Verkehr in Budapest zu wild ist, aber wem das nichts ausmacht, der ist natürlich sehr schnell und individuell unterwegs.

Empfehlen kann ich ein Tour mit der Straßenbahn Nr. 2, die direkt an der Donau entlang fährt. Hier hat man einen fantastischen Blick rüber nach Buda und fährt direkt am Parlament vorbei. Bitte nur darauf achten nicht während der Rushhour zu fahren, dann kann es nämlich auch mal sehr kuschelig werden…

         

Aber am allerliebsten erkunde ich die Stadt per Pedes. Einmal in eine kleine Seitenstraße eingebogen und schon tum sich neue Welten in Form von kleinen, schnuckeligen Parks, hübschen Cafés oder spannenden Boutiquen auf. Oft stößt man auf Hinterhöfe in denen sich urplötzlich eine Markthalle auftut, eine Band spielt oder ein Flohmarkt aufgebaut ist. Die Stadt lebt, pulsiert und erfindet sich ständig neu. Was letztes Jahr noch neu war, kann nächstes Jahr schon furchtbar überholt und längst vergessen sein. Ich liebe es mich auf dieses Abenteuer ein zu lassen und immer wieder aufs neue überrascht zu werden. Und deswegen war dies ganz sicher nicht unser letzter Besuch hier!

Viszontlátásra Budapest! / Auf Wiedersehen, Budapest!

Allegra & Ildikó

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